Über mich

Ich konnte noch nie wegsehen.

Mein Name ist Vanessa Haloui. Ich wurde 1981 in Hamburg geboren und wenn mich heute jemand fragt, warum ich so bin, wie ich bin, dann lautet die Antwort wahrscheinlich: Weil ich gar nicht anders sein konnte.

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Ich bin bei meiner alleinerziehenden Mutter aufgewachsen, nachdem sich meine Eltern früh getrennt hatten. Mein Vater war Krankenpfleger, meine Mutter verbeamtete Diplom-Verwaltungswirtin. Wirklich geprägt haben mich aber drei Frauen. Meine Mutter, meine Großmutter und die älteste Schwester meiner Mutter. Drei starke, emanzipierte Frauen, die nie darauf gewartet haben, dass andere ihre Probleme lösen. Von ihnen habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen, Haltung zu zeigen und für meine Überzeugungen einzustehen. Einen Satz meiner Großmutter werde ich niemals vergessen: *„Resignation ist keine Option.“* Dieser Satz begleitet mich bis heute.

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Mindestens genauso prägend war die soziale Einstellung in unserer Familie. Meine Großmutter kannte im Dorf jeder als „Tante Miele“. Ihre Haustür stand immer offen. Wer Hilfe brauchte, bekam sie. Ohne zu fragen, woher jemand kam, welche Religion er hatte oder welche Partei er wählte. Es wurde geholfen, weil Hilfe gebraucht wurde. Genau so bin ich groß geworden. Vielleicht engagieren sich deshalb bis heute viele Menschen in meiner Familie. Mein Cousin Thorben Peters ist Landesvorsitzender der Linken in Niedersachsen, leitet ein Obdachlosenheim und kandidiert als Oberbürgermeister von Lüneburg. Wir haben unterschiedliche politische Ansichten, aber dieselben Werte. Uns wurde beigebracht, dass Politik den Menschen dienen muss und nicht dem eigenen Ego.

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Vor allem aber habe ich früh gelernt, dass Ungerechtigkeit niemals normal werden darf. Es spielt für mich keine Rolle, ob sie sich gegen einen Menschen richtet, gegen ein Tier oder gegen jemanden, weil er anders aussieht, anders liebt oder anders lebt. Rassismus, Speziesismus und jede andere Form von Ausgrenzung haben für mich denselben Ursprung. Jemand glaubt, mehr wert zu sein als ein anderer. Genau das werde ich niemals akzeptieren.

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Nach meinem Fachabitur schloss ich meine kaufmännische Ausbildung als Jahrgangsbeste ab. Mein Berufsweg führte mich zunächst in die IT-Branche und später in die internationale Schifffahrt zu Unternehmen wie Alfa Laval, Rickmers Reederei und Interschalt. Gemeinsam mit Kollegen machte ich mich anschließend selbstständig. Dort habe ich gelernt, wirtschaftlich zu denken, Projekte aufzubauen und mit knappen Mitteln das Beste herauszuholen. Rückblickend war genau das die beste Vorbereitung auf mein späteres Leben.

Denn mein Herz gehörte nie der Wirtschaft.

Mein Herz gehörte schon immer den Tieren.

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Seit meinem fünfzehnten Lebensjahr engagiere ich mich im Tierschutz. Den entscheidenden Menschen lernte ich Ende meiner Zwanziger beim Aufbau des Tierheims Einhorn e. V. kennen. Karen Schönbrodt ist bis heute meine Mentorin und eine meiner engsten Freundinnen. Sie ist eine echte Macherin und hat mir gezeigt, dass fehlendes Geld niemals eine Ausrede dafür sein darf, nichts zu tun. Ihr Lieblingssatz lautet: „Aus Scheiße kann man Gold machen.“ Hinter diesem Satz steckt mehr Wahrheit, als viele glauben.

2010 gründete ich den Verein LOOKI e. V., benannt nach meiner über zwanzig Jahre alten Shih-Tzu-Dackel-Mischlingshündin Looki. Sechs Jahre später entstand daraus gemeinsam mit vielen großartigen Ehrenamtlichen die heutige Wildtierstation Bergedorf. Heute ist sie die einzige Wildtierstation Hamburgs. Je nach Jahreszeit versorgen wir gleichzeitig mehrere hundert verletzte, verwaiste oder beschlagnahmte Wildtiere. Das ist längst kein Ehrenamt mehr. Es ist mein Leben.

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Viele wundern sich, dass Tiere nicht meine einzige Leidenschaft sind. Seit ich fünfzehn bin, schraube ich an Mopeds und Autos. Ich besitze mehrere ältere Fahrzeuge, bin Mitglied in verschiedenen Automobilclubs und lese bis heute alles, was mit Motoren, Technik und Fahrzeuggeschichte zu tun hat. Ich mag Dinge mit Charakter. Vielleicht gefällt mir deshalb auch der Tierschutz so gut. Wegwerfen war noch nie mein Ding. Weder bei alten Autos noch bei Lebewesen.

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Eigentlich wollte ich nie Politikerin werden. Ich habe mich oft genug über Politik geärgert. Irgendwann habe ich mich aber gefragt, ob ich überhaupt das Recht dazu habe, wenn ich selbst nicht bereit bin, Verantwortung zu übernehmen. Also bin ich diesen Weg gegangen. Erst in der CDU, heute bei Bündnis 90/Die Grünen. Nicht weil ich Parteipolitik liebe, sondern weil Entscheidungen dort getroffen werden. Heute sitze ich im Umweltausschuss Bergedorf, bin Mitglied des Hamburger Tierschutzbeirates unter Justizsenatorin Anna Gallina und habe die Hamburger Tierschutzallianz gegründet. Zum ersten Mal arbeiten dort viele der wichtigsten Hamburger Tierschutzvereine gemeinsam an Lösungen. Darauf bin ich stolz.

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Der nächste Schritt ist für mich nur konsequent. Ich möchte einen Sitz in der Bezirksversammlung Bergedorf. Nicht, weil ich einen politischen Titel brauche. Sondern weil ich Verantwortung nicht nur einfordern, sondern selbst tragen möchte. Ich habe oft genug erlebt, wie Entscheidungen über Menschen, Tiere und Natur getroffen werden, ohne diejenigen einzubeziehen, die jeden Tag mit den Folgen leben müssen. Das möchte ich ändern.

Ich weiß, dass ich polarisiere. Ich bin direkt, manchmal unbequem und nehme selten ein Blatt vor den Mund. Das gefällt nicht jedem. Muss es auch nicht. Mir geht es nicht darum, beliebt zu sein. Mir geht es darum, etwas zu verändern. Gegenwind hat noch kein Wildtier gerettet.

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2025 wurde ich plötzlich selbst zur Patientin. Eine bakterielle Leptospirose brachte mich an den Rand des Todes. Kurz zuvor hatte ich bereits meine beste Freundin mit nur 49 Jahren an Krebs verloren. Diese Erfahrungen haben meinen Blick auf das Leben verändert. Ich habe erlebt, wie schnell Menschen im Gesundheitssystem übersehen werden und wie häufig insbesondere Frauen mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen werden. Seitdem kämpfe ich nicht mehr nur für Tiere und Natur, sondern auch für ein Gesundheitssystem, das den Menschen wieder zuhört.

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Seit zehn Jahren bin ich glücklich mit meinem Mann Adnane Haloui verheiratet. Er arbeitet als Justizdolmetscher und hat marokkanische Wurzeln. Durch ihn habe ich gelernt, viele gesellschaftliche Themen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Kinder waren uns trotz vieler Versuche leider nicht vergönnt. Vielleicht liegt mir deshalb die Kinder- und Jugendbildung besonders am Herzen. Wenn Kinder unsere Wildtierstation besuchen und lernen, dass jedes Leben einen Wert hat, dann ist das für mich gelebte Hoffnung.

Ich weiß nicht, ob ich die Welt verändern kann.

Aber ich weiß, dass ich niemals aufhören werde, es zu versuchen.

Mitgefühl ist keine Schwäche. Gleichgültigkeit ist eine.